Gipfelstürmer
AUS LEIDENSCHAFT

Benedikt Siegert startete bei der AZ als Bildvolontär, durchlief mehrere Stationen im Haus – von Kempten bis Augsburg – und landete am Ende in der Füssener Redaktion, wo er bis heute tätig ist. Seit einem Jahr ist der gebürtige Ostallgäuer dort stellvertretender Leiter der Lokalredaktion, ist Redakteur für Lokalthemen, Sport, Politik und Online (ePaper und Social Media) und übernimmt Spezialaufträge als AZ-Fotograf.
Ehrgeizig, jung und mit guten Zukunftsaussichten. Wenn der eigene Chef diese Worte über einen Mitarbeiter findet, sagt das viel aus. Gemeint ist Benedikt Siegert und die Aussage über ihn traf Heinz Sturm, Leiter der Lokalredaktion in Füssen. Ein glücklicher Zufall brachte Siegert in die Ostallgäuer Außenstelle. Seine Gipfelstürmergeschichten erzählt er mir auf einer Wanderung auf den Säuling.
Über Umwege zur Zeitung
Eigentlich studierte er Jura. Als das 1. Staatsexamen anstand, kamen aber schon die ersten Zweifel, ob dieser Weg wirklich der Richtige für ihn sei. Zeitgleich wurde eine Volontärstelle in der Bildredaktion frei und AZ-Fotochef Ralf Lienert fragte spontan an, ob er das nicht für zwei Jahre ausprobieren möchte. Die Verlockung war groß, war doch die trockene Gesetzessprache sehr eintönig geworden. In diesen folgenden Jahren machte Bene Siegert die Fotografie – sein Hobby – zum Beruf. Möglich war das, wie er sagt, nur durch die große Unterstützung seines Mentors Ralf Lienert.
Gegen Ende seines Volontariats kam er in die Füssener Redaktion. Heinz Sturm erinnert sich: „Benedikt kam als Zeitungsfotograf zu uns. Dazu brachte er frischen Wind, ein großes Vorwissen für Textarbeit und ein profundes Allgemeinwissen mit. Damit konnten wir gut arbeiten.“ Bei Ralf Lienert durchlief das junge Allroundtalent die Fotoschule und von Heinz Sturm erlernte er nun auch das Handwerk des Redakteurs. Seit einem Jahr ist Benedikt Siegert stellvertretender Redaktionsleiter der Außenstelle Füssen, dazu schreibt er über Lokalthemen und übernimmt Foto-Spezialaufträge für große Sportereignisse in der Region. Seine sportlichen Highlights sind dabei die Berichterstattung über die Vierschanzentournee und den EV Füssen im Eishockey.
Gipfelsturm in zweierlei Hinsicht
Nicht nur sein Werdegang wirkt wie ein Gipfelsturm. Auch privat stürmt der 26-Jährige regelmäßig Berggipfel – wie auch heute mit mir. Und wenn ich stürmt sage, dann meine ich das auch. Denn wir werden den Säuling in Rekordzeit erklimmen – jedenfalls mein Rekord. Angegeben sind allein für den Aufstieg drei Stunden. Eigentlich ist es für einen Allgäuer normal, dass man diese Zeit ein bisschen unterbietet, aber dass wir den Hin- und Rückweg in 3:30 Stunden hinlegen, das hätte ich nicht gedacht. Noch dazu vor dem Hintergrund, dass ich mitten im Wandern meine Notizen schreiben muss, denn Bene erzählt einfach zu viel Interessantes. Das Beste an der ganzen Tour ist aber: Er war heute schon einmal oben auf dem Säuling.

Die Gipfel- momente machen süchtig!
365 Tage Sport im Jahr
Richtig gelesen: Einmal hoch, um grasende Steinböcke im Licht des Sonnenaufgangs zu fotografieren, und wieder runter – in 1:50 Stunden –, um dann gleich noch einmal das Gleiche zu tun. Nur ohne Steinböcke und etwas gemächlicher. Ich erfahre, dass er sich zum persönlichen Ziel gesetzt hat, 365 Tage im Jahr Sport zu treiben. Jeden Tag vor der Arbeit – egal ob es regnet oder schneit – zieht er seine Laufschuhe an und dreht eine elf Kilometer lange Runde. Auch am Wochenende. Vorausgesetzt er läuft nicht an einem Tag zweimal den Berg hinauf. Seine Bergleidenschaft führte ihn schon auf die höchsten Gipfel Frankreichs (Mont Blanc), Italiens (Gran Paradiso), der Schweiz (Dufourspitze) oder Österreichs (Großglockner).
Berg mit Charme
Der 2047 Meter hohe Säuling ist der Hausberg des gebürtigen Ostallgäuers. Es war der erste Gipfel, auf den ihn sein Vater als 10-jähriger Bub das erste Mal mitnahm. Mit seiner markanten Kegelform hat der Berg einen ganz eigenen Charme und Charakter. Deshalb wird er von Einheimischen auch zurecht Wächter des Ostallgäus genannt. Schon auf dem Weg nach oben fällt mir Benes großes Wissen über die Berge, Natur und Kultur seiner Heimat auf. Als wir oben an den beiden Kreuzen des Haupt- und Nebengipfels die Blicke schweifen lassen, sprudeln die Gipfelnamen der umliegenden Berge nur so aus ihm heraus. Er weiß nicht nur, wie die Gipfel heißen, zu fast jedem hat er auch eine eigene Bergsteigergeschichte parat. Denn es gibt kaum einen Allgäuer Berg, den er noch nicht bestiegen hat. Seine neue Leidenschaft sind Drohnenfotos von Bergen und Infrastruktur, womit er der erste im Verlag war.
Digitalsturm
Während der Lockdowns war es in der Redaktion in Füssen lange windstill – alle Mitarbeiter wurden von März 2020 bis Juni 2021 mit kurzen Ausnahmen in Kurzarbeit geschickt. Für einen Vollblutredakteur wie Siegert nicht einfach, denn „irgendwie lebt unser Beruf ja von Veranstaltungen, der Zusammenkunft vieler Menschen und Emotionen“, erzählt er. Noch wichtiger für ihn ist, dass er greifbar ist und den Kontakt zum Leser niemals verliert. Dank des regelrechten Digitalsturms, der sich während des letzten Jahres bei der AZ vollzogen hat, konnte er wenigstens am Bildschirm diesen Kontakt zur Außenwelt und zu Kollegen halten. „Dank Arbeitsplatz to go konnten wir aus alten Mustern ausbrechen und neue digitale Wege gehen.“ Für den stellvertretenden Leiter ein Segen.
TEXT Carina Jungchen-Wenzlick
FOTOS Benedikt Siegert, Carina Jungchen-Wenzlick