Akteure
IM HINTERGRUND
Als im Januar dieses Jahres die Homeoffice-Pflicht beschlossen wurde, haben viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mediengruppe Allgäuer Zeitung ihren Arbeitsplatz nach Hause verlagern müssen, wenn kein triftiger Grund dagegensprach. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits viele im Homeoffice, doch es kamen noch mehr dazu. Für den Einzelnen war der PC technisch schnell für das mobile Arbeiten vorbereitet. Für Patrick Rausch und Lukas Muth, IT-Systemadministratoren bei der Mediengruppe Allgäuer Zeitung, und ihre Kollegen bedeutete die neue Regelung vor allem eines: viel Arbeit und Überstunden – teilweise auch am Wochenende.
Die IT-Abteilung bei der Mediengruppe Allgäuer Zeitung besteht aus sieben Mitarbeitern und einem Azubi. Sie kümmern sich um „tendenziell alles, woran ein PC angeschlossen ist“, sagt Lukas. Kleinere IT-Probleme, wenn sich zum Beispiel Outlook nicht mehr öffnen lässt, löst der First Level Support. Lukas und Patrick arbeiten im Second Level Support. Sie sind für die Umsetzung von Projekten und die Instandhaltung der IT-Infrastruktur zuständig, erklären sie. Ihr Arbeitstag sieht immer unterschiedlich aus. „Es kommt darauf an, was gerade ansteht“, sagt Patrick.

Wir machen unseren Job am besten, wenn die User nichts mitbekommen.
Alles hat sich verändert
Seit Beginn der Corona-Pandemie hält sie das Thema Homeoffice auf Trab. Was sich seitdem an ihrer Arbeit geändert hat? „Alles“, sagt Patrick. „Die Geräte sind die gleichen, aber die Struktur hat sich komplett verändert.“
Neben Investitionen in Laptops, Webcams oder Headsets wurde in den letzten beiden Jahren viel Zeit und Geld in die IT-Infrastruktur der Mediengruppe gesteckt. Denn die war anfangs nicht darauf ausgelegt, dass viele Nutzer gleichzeitig von außerhalb auf das Firmennetzwerk zugreifen. Vor der Umstellung auf Homeoffice im März und April 2020 waren pro Tag etwa fünf Personen aus dem Homeoffice eingeloggt, sagt Lukas. „Dieses Jahr hatten wir zu Spitzenzeiten über 200 Homeoffice-Nutzer gleichzeitig am Tag“, so der 24-Jährige. Mittlerweile hat sich die Zahl bei 60 bis 80 Usern pro Tag eingependelt.
Homeoffice-Nutzer der ersten Stunde erinnern sich vielleicht noch an den Token, der automatisiert eine Anmelde-PIN für Global Protect generiert hat. Den abzuschaffen war eine der größeren Baustellen der beiden. „Anfangs gab es sehr viele Probleme damit“, erzählt Patrick. Viele Stunden haben sie damit verbracht, alles anzupassen und Fehler zu beheben.
Viele Umstrukturierungen
Die nächste Herausforderung war die Umgestaltung der Firewall. Die ist zu klein geworden bei der gestiegenen Anzahl an Homeoffice-Nutzern, erzählen die beiden. Eine Firewall ist ein Sicherungssystem, das einen Computer oder ein Rechnernetz vor unerwünschten Zugriffen schützt. Neben der Vergrößerung der Firewall fand auch ein komplettes Netzwerk-Redesign statt: „Wir haben vieles umgebaut“, sagt Lukas.

Patrick Rausch (links) hat im Jahr 2017 eine Ausbildung zum Fachinformatiker für IT-Systemintegration bei der Mediengruppe Allgäuer Zeitung begonnen. Diese hat er 2020 abgeschlossen. Seitdem ist er als IT-Systemadministrator angestellt. Seine Aufgabenbereiche sind Office 365 und die Dateiablage, also sämtliche Speichersysteme.
Lukas Muth (rechts) hat seine Laufbahn bei der Mediengruppe Allgäuer Zeitung im Jahr 2014 als Auszubildener zum Fachinformatiker für Systemintegration begonnen. Seit dem Abschluss seiner Ausbildung im Jahr 2017 ist er als IT-Systemadministrator angestellt. Lukas Muth ist zuständig für die Bereiche IT-Infrastruktur, LAN/WLAN und die Server-Betreuung.
Muth ist für die IT-Infrastruktur, LAN und WLAN sowie die Server-Betreuung zuständig. In den letzten beiden Jahren hat er vor allem die IT-Sicherheit verstärkt, um unerwünschte Angriffe abwehren zu können. Dabei kümmerte sich der 24-Jährige um den Umbau der Firewall, Patrick übernahm die Verbesserung der E-Mail-Sicherheit.
Das neue System blockt viele verdächtige Inhalte ab, bevor sie überhaupt beim Empfänger landen. „Es sind viele Sachen, die der User nicht mitbekommt“, sagt Lukas. Denn: „Wir machen unseren Job am besten, wenn die User nichts mitbekommen“, meint Patrick. In Rauschs Aufgabenbereich fallen Office 365 und die Datenspeicherung, zum Beispiel auf den Shares oder in OneDrive. Eines seiner Projekte im Jahr 2020 war die Einführung von Microsoft Teams. Aber auch die Umstellung der Speichersysteme kostete Patrick in den letzten beiden Jahren viel Arbeit. „Früher lag der Schwerpunkt im Rechenzentrum, heute ist alles in der Cloud gespeichert“, sagt der 20-Jährige.
Zehn Minuten mal 800
Vieles, was die IT in der Mediengruppe anpackt, scheint nach außen hin kein großer Aufwand zu sein. Zum Beispiel wenn Patrick an die einzelnen Computer im Haus muss, um dort etwas umzustellen. „Für den Einzelnen sieht das nach zehn Minuten Arbeit aus. Für mich sind es zehn Minuten Arbeit mal 800“, so Rausch.
Der Wind des Wandels wird in der IT auch in Zukunft nicht stillstehen. Sie wollen dieses Jahr zum Beispiel das Datenbanksystem umstrukturieren und nächstes Jahr die Speichersysteme austauschen, die noch nicht aktualisiert wurden, erzählt Lukas. Auch zur Verbesserung der IT-Sicherheit sind Projekte geplant, um den möglichen Schaden von unerwünschten Angriffen weiter eingrenzen zu können.
TEXT & FOTOS Michelle aus dem Bruch