Zauberbox
IN GRÜN

“Der Greenscreen eröffnet uns neue Möglichkeiten, wie wir in Zukunft Sendungen, Beiträge und Werbung produzieren können.” ALLGÄU TV
Kaum zu glauben, wofür eine einfache grüne Leinwand alles zu gebrauchen ist. Ins neue Fernsehstudio von Allgäu TV hat die Greenbox Einzug gehalten. Was sie alles kann und wann sie verwendet wird, haben mir Julian Küpper und Peter Böhr gezeigt.
Im Mai dieses Jahres startete der Umbau des neuen Fernsehstudios von Allgäu TV. Um mit der Zeit zu gehen und auf dem Markt konkurrenzfähig zu bleiben, wurde der Senderaum vor allem technisch neu ausgestattet: Wo es vorher eher nüchtern, objektiv und nachrichtlich aussah, ist jetzt ein sogenannter Greenscreen installiert, der mehr Pepp und Farbe ins Studio bringen soll. Aber natürlich nicht der Farbe wegen, sondern weil er bei TV-Aufzeichnungen viele neue Möglichkeiten bietet. Damit einher ging neue Technik wie Schnittprogramme, Bildmischer und voll automatisch steuerbare Kameras. „Es wurde Zeit“, sagt Julian Küpper, Senderleiter von Allgäu TV. „Um den gestiegenen Anforderungen und der weiterentwickelten Technik gerecht zu werden und um zukünftig noch mehr Kunden ins Studio holen zu können, mussten wir modernisieren.“
Unsichtbar grün
Ein Greenscreen ist nichts anderes als ein grüner Hintergrund, vor dem TV-Aufnahmen produziert werden. Die dazugehörige Software ermöglicht, den grünen Hintergrund auszuschneiden – was auch keying oder Farbstanzen genannt wird – und an Stelle dessen beliebige Bilder oder visuelle Effekte zu platzieren. „Dafür gibst du dem Computer einen Farbwert, den du nachträglich ausschneiden und etwas anderes dafür einsetzen kannst, egal ob Berge, Städte, Räumlichkeiten oder auch Werbung“, erklärt Studiotechniker Peter Böhr. Bei Allgäu TV soll der Greenscreen künftig bei Nachrichtensendungen, der Wetterübertragung sowie beim Sporttalk Verwendung finden.

Peter Böhr ist seit 2000 Mediengestalter für Bild und Ton bei Allgäu TV. Dabei fasziniert den 48-Jährigen nicht nur die Technik, sondern er liebt auch die Vielfalt seines Jobs. Er kann sowohl rausgehen und drehen als auch hinter der Kamera schneiden und die Sendungen zusammenbauen. Dazu übernimmt er die Senderabwicklung und pflegt Kontakt zu den Firmen, die die Sendesysteme betreuen.
Julian Küpper hat vor vier Jahren die Senderleitung Fernsehen übernommen. 2008 kam er erstmals als Volontär zu Allgäu TV, konnte aber danach nicht bleiben. Nach neun Monaten Wartezeit wurde bei Allgäu TV seine ersehnte Stelle als Sendetechniker frei und er kehrte zurück. Der jetzt 37-Jährige mag das Kreative an seinem Beruf und ist sehr froh darüber, dass er trotz Chefposten hin und wieder an der Kamera arbeiten darf.

Virtuelles Studio
Ohne aufwändige Kulissen aufbauen zu müssen, können Hintergründe einfach eingeblendet werden. Zudem werden die Produktionskosten gesenkt, weil das Team im Studio produzieren kann und nicht zu den jeweiligen Orten reisen muss. „Wir sollten uns aber immer die Frage stellen, was authentischer wirkt und mehr Sinn ergibt: eine Vor-Ort- oder eine Studioproduktion“, merkt Julian Küpper an. „Spart man sich die Fahrtkosten für einen Vor-Ort-Dreh, produziert aber eine schlechte Sendung im Studio, hat man nichts gewonnen.“ Das bestätigt auch Peter Böhr. Denn „die Kunst dabei ist, es technisch so hinzukriegen, dass es die Zuschauer vor dem Bildschirm nicht merken“. Bis jetzt wurde bei Allgäu TV vor allem mit Realscreen produziert, da dieser authentischer wirkt und die Technik und Mischer noch nicht so weit waren. Das wird sich nun ändern. Farbwelten
Die am häufigsten verwendeten Farben bei Fernseh- und Filmproduktionen sind grün und blau, da sie sich farblich deutlich vom Hautton abheben. Außerdem reflektiert Grün besser als Blau, weshalb man sich bei Allgäu TV für einen Greenscreen entschieden hat. Es wird in der Regel die doppelte Lichtmenge benötigt, um mit Blau zu „keyen“. Zurzeit wird die neue Technik im Studio noch getestet. Unsere Spielereien beim Interview haben aber gut funktioniert: Innerhalb kürzester Zeit haben wir die Wetterkarte eingeblendet, den Boden in die richtige Perspektive gebracht, die Kameras eingestellt und dazu moderiert. Geplant ist, dass die Studiotechnik am Ende des Jahres abgenommen wird und danach live gesendet werden kann. TEXT und FOTOS Carina Jungchen-Wenzlick